magnetimplantate

Erfahrungsberichte

Wie kommt man überhaupt auf die Idee, sich einen Magneten implantieren zu lassen? Wie war das mit dem Eingriff und der Abheilung? Was waren die interessantesten Erfahrungen mit dem "Magneten im Finger"? – Hier finden sich ein paar Erfahrungsberichte von Menschen mit Magnetimplantat.

Peters Erfahrungsbericht | Evis Erfahrungsbericht | Rins Erfahrungsbericht | phryks Erfahrungsbericht | Dennis' Erfahrungsbericht

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Peter

Juli 2013, Visavajara Freiburg

Peter

Seit Ende August 2013 lebt ein kleiner, starker Neodym-Magnet in meinem linken Ringfinger. Ich habe ihn von einem Piercer implantieren lassen, um die Erfahrung zu machen, wie es ist, einen sechsten Sinn für magnetische und vor allem elektromagnetische Felder zu entwickeln. Nebenbei macht es eine Menge Spaß, mit dem Magneten im Finger herumzuspielen, da er unter Anderem auch kleine metallische Gegenstände heben kann und einfach grundsätzlich awesome ist. Aber warum habe ich so etwas überhaupt?

Peter, wie kommt man eigentlich auf so eine bescheuerte Idee?

2006 erfuhr ich von Quinn Norton, einer US-amerikanischen Technologiejournalistin, die sich einen Magneten in ihren Finger implantieren ließ. Functional body modification bzw. body hacking war das Zauberwort, und ich war sofort angetan. Die Idee versprach, den Körper durch Modifikationen zu verbessern, über die Fähigkeiten anderer Menschen hinaus Dinge zu können, ohne dafür externe Hilfsmittel zu verwenden.

Norton erzählte, dass sie mit dem Magnetimplantat elektromagnetische Felder spürte und sich das Gefühl in ihrem Gehirn irgendwann als sechster Sinn etablierte. So etwas wollte ich auch. Warum sollte ich meinen Körper nicht erweitern lassen? Vielleicht, weil es nicht ungefährlich war. So erzählte Norton weiter, dass der mit Silikon ummantelte Magnet in ihrem Körper nach einiger Zeit anfing, Probleme zu bereiten, weil die Ummantelung nicht gleichmäßig war und riss. Ihr Körper wehrte sich gegen den Magneten und begann, ihn zu zersetzen. Das wollte ich natürlich nun nicht erleben. Das und die Tatsache, dass ich höchst wahrscheinlich in die USA reisen müsste, um so etwas zu bekommen, brachte mich letztendlich davon ab, aktiv zu werden.

Die Idee blieb aber in meinem Hinterkopf und sollte sich die folgenden Jahre immer wieder mal nach Vorne kämpfen.

Auf den Weg in die Zukunft

Auch 2013 hatte der Gedanke der Functional Body Modification sich wieder in meinem Kopf breit gemacht. Ich kam durch irgend einen Blogeintrag über ein transdermales Piercing wieder auf den Trichter, ein wenig im Internet nach Leuten zu suchen, die ihren Körper um nützliche Eigenschaften erweitert hatten. Bilder von magnetischen Piercings, die jemand verwendete, um einen iPod an seinem Handgelenk zu befestigen, holten den Gedanken mit dem Magnetimplantat wieder in mein Bewusstsein. Es sollte sich doch inzwischen einiges getan haben. Da ich sowieso in ein Piercingstudio wollte, um mir ein längst zugewachsenes Ohrloch neu stechen zu lassen – das zu der Zeit erste und einzige menschgemachte Loch in meinem Körper – fragte ich einfach mal nach, ob die das mit diesen Magneten auch könnten.

Natürlich würden sie das nicht können, ich hatte das Internet zu dem Thema bereits halb leergelesen und wusste, dass es nur eine Hand voll Piercingstudios in Deutschland gab, die so etwas inzwischen im Angebot hatten. Umso erstaunter war ich, als die freundliche Frau an der Theke begann, mich etwas verhalten darüber zu informieren, dass das natürlich ginge und was mich das kosten würde. Auch der Piercer, der mir mein Ohr lochte, teilte meinen Enthusiasmus und erklärte mir alles was er für wichtig hielt, demonstrierte mir einen der Magnete, den er aus seinem Lager holte, und versicherte mir, dass inzwischen mit Spritzguss und neuen Materialien alles viel sicherer und ungefährlicher sei. Zudem war es ein größerer stabförmiger Magnet, entwickelt von Samppa von Cyborg, nicht einer dieser kleinen scheibenförmigen, die ich bisher im Netz kennenlernen durfte, und die von Steve Haworth entwickelt wurden.

Installation eines Magnetimplantats

Bewaffnet mit neuem Wissen aus dem Internet und 200 Euro ging ich wieder zum Piercingstudio. Den Termin hatte ich bereits eine Woche nach der Beratung ausgemacht. Da der Einbau quasi bei mir um die Ecke im Studio Visavajara in Freiburg stattfinden konnte und ich kaum mehr Risiken zu erwarten hatte, rückte die Zukunft sehr plötzlich einen großen Schritt in meine Richtung.

Es wurde ein Stich mit einer sehr dicken Piercingnadel gesetzt, die an der Außenseite meines linken Ringfingers einen Kanal in die Fingerkuppe bahnte. Mit einem anderen Werkzeug wurde etwas Fettgewebe entfernt, um Platz für einen ca. 3mm langen Zylinder zu schaffen. Vorsichtig wurde der Magnet durch den Einstich geschoben und mit Druck auf die Wunde festgehalten. Mit einem zweiten Modell des Magneten wurde von außen überprüft, ob er dort saß, wo er am Anfang des Termins angezeichnet wurde und ein paar Minuten später stand ich auch schon mit einem Schnipsel Mullbinde und etwas Gewebeband um meinen Finger auf der Straße, bereit für eine ereignisreiche Reise.

Ein Sinn entfaltet sich

So ein Magnetimplantat ist eigentlich nichts weiter als ein mit Parylen und Gold ummantelter, starker, kleiner Permanentmagnet. Magnete beeinflussen sich ja bekanntlich gegenseitig, das hat jeder in der Schule gelernt. Gleiche Pole stoßen sich ab, unterschiedliche Pole ziehen sich an. Genau so ist es natürlich auch mit dem Implantat. Kommt mein Finger in die Nähe eines anderen Magneten, wird er angezogen oder abgestoßen und weil er in der Fingerkuppe sitzt wo viele Nerven enden, merke ich das. Kommt der Finger in die Nähe eines Gegenstands aus ferromagnetischem Metall, wie z.B. eine Blechdose oder eine Büroklammer, wird er ebenfalls angezogen.

Interessant wird es in der Nähe elektromagnetischer Felder. Die meisten elektromagnetischen Felder um uns herum oszillieren, was so viel bedeutet wie ein ständiger Richtungswechsel der Pole. Das liegt am Wechselstrom aus der Steckdose oder an sich im kreis drehenden Magneten wie die in Motoren. In einem solchen Magnetfeld wird das Implantat sehr schnell abwechselnd angezogen und abgestoßen, es beginnt zu vibrieren. Und da es in der Fingerspitze an einem sehr nervenreichen Ort sitzt, spürt das der Finger sehr deutlich. Anfangs ist davon jedoch erst mal sehr wenig zu bemerken. Es sollte Tage dauern, bis ich etwas spürte, Wochen, bis ich feinfühliger wurde und noch über ein halbes Jahr, bis der Sinn für elektromagnetische Felder sein volles Potenzial entfalten würde.

Hirnverdrahtung und andere Windungen

Mit den Monaten wurde nicht nur mein Finger empfindlicher für die Magnetfelder um mich herum, es fand auch eine Umstellung in meinem Gehirn statt, von der ich bereits von anderen Cyborgs gelesen hatte, die auch so ein Implantat ihr Eigen nannten. Irgendwann – ganz schleichend – änderte sich die Wahrnehmung eines elektromagnetischen Feldes von “Oh, mein Finger vibriert, es muss ein elektromagnetisches Feld sein” hin zu “Oh, ein elektromagnetisches Feld.” (kurze Denkpause) “Ach ja, und es wird mir signalisiert durch eine Vibration in meiner Fingerspitze.” Das geht so weit, dass eine Vibration in meinem Finger an dieser Stelle zu aller erst durch mein Gehirn als ein elektromagnetisches Feld gewertet wird, auch wenn die Vibrationen von etwas ganz anderem erzeugt werden.

Der sechste Sinn manifestierte sich, und es war fantastisch. Es ist fantastisch. Ziemlich unnütz aber faszinierend und fantastisch und awesome. Ich begann, ganz neue und immer feinere Dinge in meiner Umgebung wahrzunehmen: Den Motor im laufenden Tischventilator, den Transformator einer Halogenlampe beim Strom verbrauchen, den Lüfter im Laptop, ja irgendwann sogar die filigranen Festplattenzugriffe direkt unter der Tastatur. Monat für Monat kamen neue Eindrücke hinzu, die ich noch nicht kannte. Der Lautsprecher in einem Game Boy, das Gerät, das an Kassen die Anti-Diebstahl-Aufkleber entwertet, der Motor in der Küchenmaschine meiner Mutter.

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Peter zeigt sein Magnetimplantat auf youtube

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Evi

Januar 2011, Trust Mannheim

Evi

Der Entschluss, mir einen Magneten einbauen zu lassen kam mir ziemlich spontan: Ich saß mit einer Freundin auf dem Sofa und sinnierte so vor mich hin. Ich wusste, dass ihr Freund seit einiger Zeit ein Magnetimplantat hatte und deshalb war das Stichwort gerade leicht greifbar, als ich mich wieder mal darüber aufregte, dass mir ständig die Stecknadeln in die Parkettritzen fielen.

Den Vortrag von Lepht Anonym zum Thema hatte ich gehört, doch bis dahin war es nicht mehr als ein interessantes Stück Information, ohne persönlichen Nutzen für mich selbst. Ein Grund, warum ich nicht schon viel mehr Modifikationen habe: ohne "sinnvollen" Grund oder Nutzen lasse ich nichts an mir (semi-)permanent verändern, so cool ich es auch finde. An diesem Tag war es allerdings Dank meines Stecknadelproblems instantan um mich geschehen und ich machte umgehend einen Termin bei Trust in Mannheim. Keine 14 Tage später hatte ich meinen Magneten.

Der Eingriff an sich war dank Betäubung vollkommen schmerzfrei und innerhalb von gefühlten 15-20 Minuten vorbei. Die Heilung verlief unproblematisch. Die ersten zwei Nächte pulsierte mein Finger beleidigt vor sich hin, aber das war wohl eher, weil ich ihn mir direkt als ich nach Hause kam an einer Kante anschlug. Wirklich schmerzhaft war das jedoch nicht, nur nervig.

Magnetimplantat mit Münze

Mein Magnet wanderte in den ersten paar Tage noch ein wenig weiter Richtung Naht, was ich versuchte mit einem stärkeren Magneten (so einem 10x2 mm Neodym-Tafelmagnet aus dem Bastelladen) auf der gegenüberliegenden Seite des Fingers zu korrigieren. Ob das wirklich etwas geändert hat, weiß ich nicht – zumindest blieb er im Finger und wanderte nicht weiter. Die Fäden habe ich mir nach zehn Tagen bei Wildcat in Bochum ziehen lassen, weil ich Grüße zu überbringen hatte, sonst hätte ich das auch einfach selbst machen können.

Ich war am Anfang sehr brav und habe die ersten Wochen nur mit metallischen, nicht mit magnetischen Sachen gespielt — sicher ist sicher.

Die ersten Erfahrungen und Erkenntnisse mit dem Magneten: Kupfergeld ist magnetisch, MacBooks auch – mit einem Finger-Magneten an der richtigen Stelle am Gehäuse kann man den Sleep-Modus in vielen Notebooks auslösen und so trefflich deren Besitzer trollen oder in Erstaunen versetzen. Man kann Kleinkram wie Geldstücke, Schräubchen, Kronkorken und Nähnadeln aufheben — also ideal für jemand mit so nichtexistenten Fingernägeln wie ich.

Finger mit Naht (Magnetimplantat) Magnetimplantat
Magnetimplantat zieht Schrauben anMagnetimplantat zieht Nadel an

Was toll ist, dass man eine viel bessere Vorstellung davon bekommt, wie viel in unserer Umwelt mit Magnetfeldern zu tun hat. Das erste Mal, als ich durch die Sicherungstore in der Unibibliothek ging war ich erschrocken, dass mein Fingermagnet plötzlich vibrierte wie eine Zahnbürste. Solche wechselnden Felder sind eine tolle Sache, um Anderen die Funktion und Wirkung des Magneten zu demonstrieren. Oft reicht schon ein kleines Netzteil oder ein Lampentrafo aus, um ein von außen fühlbares Brummen und Vibrieren in meinem Finger zu erzeugen.

Unangenehmer und unerwarteter waren verschiedene magnetische Sicherungs-/Entwertungsmechanismen an Kassen oder Automaten, da kann man sich ganz schön erschrecken, wenn die plötzlich loslegen und ein starkes Feld erzeugen. Mein Telefonlautsprecher hat auch einen sehr starken Magneten, was ich leider erst mitten in einem Gespräch bemerkte und lauthals in den Hörer quiekte.

Generell ertappe ich mich aber ständig dabei, meine Umwelt nach Metallen und Magnetfeldern abzusuchen und frage mich dann zum Beispiel, was da in meinem Rechner wohl gerade dieses sanfte, winzige Kribbelgefühl erzeugt. Man bekommt ein viel stärkeres Gefühl dafür WIE VIEL sonst unentdeckt und unbeachtet bleibt, eben weil es unsichtbar und unfühlbar ist als magnetloser Mensch.

Was nicht so toll ist, sind zu starke Einzelmagnete (je nach Material schon ab Centstück- oder Eurogröße) bzw. starke Magnetfelder (Schrottplatzmagnete, MRT) wo eine Begegnung im besten Fall schmerzhaft ist oder komisch (das Gefühl, wenn sich der Magnet in deinem Finger um 180 oder 360 Grad dreht ist gleichzeitig faszinierend, komisch und am Anfang echt ungewohnt und eklig). Andersherum gibt es natürlich auch Dinge, von denen man sich fernhalten sollte, damit diese nicht zu Schaden kommen (Kreditkarten und Festplatten gehören allerdings nach meiner Erfahrung nicht dazu!).

Was ich noch rausfinden muss: ob ich tatsächlich einen Arztbrief o.ä. brauche um durch bestimmte Sicherheitskontrollen zu kommen. Große Metalldetektoren sollen die Magnetfinger nicht aufspüren können, die kleinen Handgeräte aber schon. Ich habe dazu noch keine Erfahrungen. Probleme von denen andere berichten, z.B. mit großen Elektromotoren in Autos oder Zügen, hatte ich noch nicht, aber ich denke, die Sensibilität des Magnetfingers ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt neben der Nervendichte und Tiefe des Implantats möglicherweise auch mit der Festigkeit des Narbengewebes zusammen, das sich um den Magneten bildet.

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Rin

März 2012, Stigmata Inc., Köln


Als ich zum ersten Mal hörte, dass es sowas wie Magnetimplantate gab, wollte ich sofort eins haben. Meine Recherche damals – das war vielleicht 2005 oder so – ergab aber, dass das Ganze noch nicht ganz ausgereift sei. Also habe ich es erst einmal auf "irgendwann später" verschoben und beinahe vergessen – bis ich jemanden traf, der tatsächlich so ein Ding im Finger hatte: Evi.

Einige Gespräche, ein bisschen Hin-und-Herüberlegen und etwas Recherche später marschierte ich nach Köln um dieses Hardware-Upgrade zu erhalten. Das Prozedere war beinahe enttäuschend einfach: Kleine lokale Betäubung, kleiner Schnitt in den Finger, Magnet rein und mit einem Stich genäht. – Fertig, das war's.

Erstaunlicherweise spürte ich auch nach dem Abklingen der Betäubung nichts. – Zumindest nicht, so lange ich den Finger nicht benutzte. Bei unabsichtlicher Berührung tat er die ersten beiden Tage dann doch etwas weh. In den ersten Woche habe ich den Finger kaum benutzt. Das ist beim Ringfinger tatsächlich verhältnismäßig einfach, sofern man nicht Klavier spielen will. Nach sechs Tagen hab ich schließlich den Faden gezogen.

Was das Rumspielen – oder besser das Nicht-Rumspielen – angeht war ich übrigens total diszipliniert, weil ich auf keinen Fall riskieren wollte, dass der Magnet rauswächst.

Ich spüre die Magneten meines MacBooks, das elektromagnetische Feld wenn die Mikrowelle an ist, den Elektromotor eines Ventilators und manche von den erwähnten Diebstahlschutz-Vorrichtungen an den Eingängen von Geschäften. Bisher hab ich weder Festplatten, Hybridautos noch Züge gespürt. Für die Sicherheitskontrolle am Flughafen ist der Magnet übrigens viel zu klein – enttäuschenderweise vibriert er nicht mal, wenn man durch die Kontrolle geht. Ansonsten spiele ich natürlich gerne mit Sicherheitsnadeln, Kronkorken und In-Ear-Kopfhörern sobald welche in meiner Nähe herumliegen.

Magnetimplantat Magnetimplantat
Magnetimplantat Magnetimplantat

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phryk

September 2010, Trust, Mannheim


Meine erste Begegnung mit dem Thema 'Magnetimplantate' hatte ich irgendwann 2007 oder 2008 als ich eine Aufnahnme eines Vortrages von Quinn Norton sah. Dieser Vortrag, betitelt 'Functional body modification', handelte neben Themen wie dem von Intimpiercings bedingten Extra an Stimulus und dem Nutzen von Provigil/Modafinil als Schlafersatz vor allem über die Erfahrungen, die Quinn mit dem ihr eingepflanzten Neodym-Magneten gesammelt hat, welcher ihr ermöglichte, magnetische Felder zu spüren.

Trotz meiner instantanen Begeisterung musste ich aufgrund von Quinns Erfahrungen leider einsehen, dass die Implantate wohl noch nicht so weit waren, wie ich sie gerne hätte. Ein 'kleines Problem', das bei ihr auftauchte war nämlich, dass die Silikonbeschichtung um den Magneten herum bei ihr aufbrach und ihr Immunsystem den Magneten zersetzte.

2010 war es jedoch endlich an der Zeit. Ein tolles Individuum namens Lepht Anonym konnte meine Zweifel an den Implanaten sehr leicht dadurch auflösen, dass es mir erzählte, dass das Problem mit der Beschichtung nur bei den Prototypen auftrat und ergo schon seit Jahren kein Problem mehr darstellte. Praktischerweise konnte Lepht mir auch ein Piercingstudio in Deutschland empfehlen: Trust in Mannheim.

Als ich Trusts Website besuchte, sprang mir direkt eine Meldung ins Auge, die verlauten ließ, dass Steve Haworth (der Erfinder u.a. der Magnetimplantate) im September dort sei und man sich bei Terminwünschen doch melden solle.

Hierauf ging alles ziemlich schnell, da der September der erste Monat war in dem ich ein Vollzeitgehalt erhielt, nahm ich mir ein paar Tage frei, schrieb einige Mails mit den netten Leuten vom Trust und fuhr dann im September mit cypher, einem Freund von mir, nach Mannheim, wo der Eingriff innerhalb von weniger als einer halben Stunde komplett schmerzfrei durchgeführt wurde.

Magnetimplantat

Nach kurzem Besuch im übermäßig geilen RaumZeitLabor ging es dann zu cypher nach Hause, wo ich sogar schon den Halogentrafo der Zimmerbeleuchtung wahrnehmen konnte. Die Heilung verlief ohne Probleme. Nachdem ich mir die Naht gezogen habe, blieb nur noch eine kleine Narbe als Attest der Implantation zurück.

Nachdem ich den Magneten nun schon länger als 1.5 Jahre in mir herumtrage, habe ich natürlich auch einige Feststellungen machen können:

Tippen geht immer noch ohne Probleme auf voller Geschwindigkeit; Selbst während der wenige Wochen langen Heilungsphase habe ich mich sehr schnell daran gewöhnt, den betroffenen Finger einfach nicht zu benutzen. Nach ca. 2 Wochen habe ich wieder angefangen mit ihm zu tippen, ohne Probleme.

Wie sich ein Magnetfeld anfühlt ist von Feld zu Feld unterschiedlich. Ein Feld, das in Richtung und Stärke gleich bleibt (Lautsprechermagneten etc.), manifestiert sich als leichter Zug und ist ohne Bewegung oft nur schwer wahrnehmbar. Aus diesem Grund bewege ich meinen Finger auch in einer konstanten Hin-und-Her-Bewegung wenn ich ein statisches Magnetfeld suche.

Im Vergleich hierzu sind sich verändernde Felder sehr viel leichter zu spüren. Je nach Frequenz und Stärke eher als Kribbeln oder als relativ intensives hin-und-her Ruckeln welches sogar stark genug ist, um es andere Leuten spüren zu lassen, wenn sie den betroffenen Finger anfassen.

Das Implantat kann sich bei Einwirkung von starken Magnetfeldern im Finger drehen. Dies ist eines der intensivsten, am Anfang aber auch verstörendsten, Gefühle, die einem das Implantat bringen kann.

Magnetimplantat Magnetimplantat

Unter meinen Feststellungen haben sich mit der Zeit natürlich auch einige mehr oder weniger sinnbefreite Punkte angesammelt:

  • 2.5" Festplatten für Notebooks enthalten Dauermagnete, 3.5" Festplatten für 'normale' Rechner jedoch anscheinend nicht.
  • Kühlschranktüren werden von Magneten zugehalten. Aus irgendeinem Grund habe ich immer vermutet, dass das mit irgendeiner Unterdruckkontraption geschieht.
  • Bei den Bewegungsmeldern an automatisch spülenden Pissoirs geht einiges an Strom durch.
  • Wenn man einen von den 'Supermagnet'-Würfeln an den Finger hängt, kann man damit viel mehr heben, als mit dem Implantat an sich.
  • Ich kann Leuten nicht einfach die Bankkarten kaputtmachen. :(
  • Lautsprechermagneten spürt man im Normalfall nicht ausserhalb des Lautsprechergehäuses. Von den Magneten kann man den Finger bei Kontakt selbst bei größeren Lautsprechern (so ziemlich alles unter PA-Größe getestet) schmerzfrei trennen, solange man vorsichtig ist.

Bei Unterhaltungen über diese Art von Körpermodifikation sind Nerds meist begeistert oder zumindest verständnisvoll, während man von 'normalen' Leuten aus irgendeinem Grund immer die Frage gestellt kriegt, ob man durch das Implantat einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt habe. Wenn man diese Frage verneint, wird man mit Unverständnis behandelt. Weil es scheinbar aus irgendeinem mir nicht ersichtlichen Grund total gerechtfertigt ist, sich für seine Arbeitgeber aufschneiden zu lassen, aber nicht für sich selbst. Go figure und so.

Rückblickend kann ich zusammenfassen, dass es für mich definitiv die richtige Entscheidung war, diese Art der Körpermodifikation an mir durchführen zu lassen. Es hat keine fundamentale Änderung in meinem Leben gebracht und mir keine Superkräfte gegeben, jedoch sind es mir schon die paar Aha-Momente, die ich alle paar Monate erlebe, total wert den kleinen Eingriff über mich ergehen zu lassen. Auch wenn ich vor dem Eingriff ernsthaft Schiss hatte.

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jabber: phryk@xinutec.org | web: http://phryk.net/

Dennis

September 2014, Stigmata, Köln

Vorab

Ich habe schon vor einigen Jahren von "verrückten" Menschen erfahren, die sich freiwillig Magnete in die Finger setzen. Erst als ich mich mit diesem Thema näher beschäftigte und Erfahrungsberichte las, wurde mir bewusst, dass diese Art von Veränderung keineswegs nur für hardcore Body-Modder interessant ist. Statt wie bei üblichen Mods, z.B. bei Transdermals ging es hier nicht um eine krasse Art des Körperschmucks, sondern vielmehr um Sinne, um Sensitivität. Ich war total begeistert, und als ich einen Piercer in Köln (Stigmata) ausgemacht habe, der diesen Eingriff vornehmen konnte, hatte ich einige Wochen später bereits einen Termin.

Der Eingriff

Nach einem kurzen Gespräch über die Risiken etc. ging es auch schon los. Leider war ich an diesem Tag krank und ohnehin schon etwas schwach auf den Beinen, daher wurde mir nach dem Betäuben des Fingers etwas schwindelig. Meine Begleitung hielt mich etwas fest und mit Traubenzucker ging es mir dann besser. Der Eingriff selbst dauerte keine 2-3 Minuten. Ein kleiner Schnitt und mit einem Stich zu genäht. Schmerzen hatte ich dabei keine.

Die ersten Tage

Mein Finger pochte den ersten Tag nur stark, ich hatte aber keine Schmerzen bis ich ihn an einer Tischkante anschlug. Auch die nächsten Tage hatte ich keine Probleme. Arbeiten am Laptop, Auto fahren, der normale Alltag lief einwandfrei.

Unwahrscheinlich selten

Magnetimplantat

Nach ca einem Monat wurde mir klar, dass der Magnet leider NICHT so verheilte, wie er sollte. Er tat nach wie vor nicht weh, jedoch wurde die Haut um den Magneten immer dünner. Man konnte ihn irgendwann sogar durch die Haut deutlich sehen. Metallische Dinge mit dem Finger zu berühren war sehr unangenehm, Magneten waren, je nach Stärke, sogar schmerzhaft.

Nach Rücksprache mit meinem Piercer machte ich einen Termin, um den Magneten (leider) wieder entfernen zu lassen. =(

Schade war, dass ich genau in dieser Zeit immer sensibler für magnetische und elektrische Felder wurde. Es machte richtig Spaß diesen Sinn immer weiter zu entwickeln. – Aber es half ja alles nichts.

Und tschüss

Obwohl der Magnet die nächsten Wochen unverändert weit unter der Haut saß und nicht weiter herauswuchs, wurde er mir nach ca. 1,5 Monaten wieder entfernt. Ich hätte auch direkt einen weiteren Magneten in einen anderen Finger setzen lassen können, jedoch kam für mich aus praktischen Gründen kein anderer Finger in Frage. Da die Wunde an sich gut verheilt war, habe ich nun mit meinem Piercer ausgemacht, dass der Finger zunächst abheilen soll, wir dann aber 4 Wochen später einen neuen Versuch wagen.

Und so habe ich nun aktuell eine Woche nach der Entnahme leider nichts weiter als einen Schnitt im Finger und einen kleinen Magneten als Andenken.

Magnetimplantat Magnetimplantat

Den Magneten kann man übrigens nicht wieder verwenden, da er eventuell beim Herausnehmen beschädigt wurde. Immerhin muss ich weder für die Entfernung noch für das neue Einsetzen zahlen, nur der neue Magnet schlägt mit 100€ zu Buche.

Fazit

Nun, dass ich keinen Moment gezögert habe einen zweiten Versuch zu starten, sagt ja schon einiges über mein bisheriges Erlebnis mit diesem Mod. Ich bin nach wie vor begeistert vom Eindruck dieses neuen Sinnes und vor allem in den letzten Wochen wurde meine Sensibilität jeden Tag stärker.

Ich hoffe also nun, dass beim nächsten Mal alles gut geht und der neue Magnet mich die nächsten Jahre durch mein Leben begleitet.

Lasst euch davon nicht abschrecken, angeblich ist das super selten und das Risiko ist so gering, dass man es wirklich riskieren sollte.